Weihnachtsvorlesung 2022 – endlich wieder in Präsenz!

Nach zwei Jahren Corona-Unterbrechung konnten wir unsere Tradition fortsetzen und am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien den Campus der Hochschule Fresenius besuchen, um dort der eigens für uns abgehaltenen Weihnachtsvorlesung zu lauschen. Das sehr aktuelle volkswirtschaftliche Thema „Aktuelle Krisen und Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP): Können wir mit dem BIP Wohlfahrt überhaupt adäquat messen?“ wurde von Prof. Dr. Beivers von der Hochschule Fresenius referiert und ein Einblick in VWL-Themen sowie mögliche Auswirkungsszenarien gegeben.


Dabei war zu Beginn gleich sein Ansatz interessant, dass jeder Mensch nach dem ökonomischen Prinzip handelt, indem er die knappe Ressource der Lebenszeit so nutzt, um ein möglichst glückliches Leben führen zu können und somit stellte er die Verknüpfung zum Schulstoff in VWL mit dem Maximalprinzip her.

Danach erfolgte eine Zusammenfassung von volkswirtschaftlichen Begriffen, wie exogene Schocks (also Krisen wie Corona oder Kriege) sowie die derzeitige Energiekrise und hohe Inflationsrate in Deutschland. Laut Schätzungen wird erst 2026 die Inflationsrate wieder unter 2 % betragen und durch den Stopp der Gaslieferungen aus Russland kommt es zu Wohlstandsverlusten in Deutschland und einem voraussichtlich negativen BIP im Jahr 2023. Allerdings beruhigt uns der Professor, indem er auf den stabilen Arbeitsmarkt hinweist, da derzeitig ein hoher Fachkräftemangel besteht und somit die Arbeitslosenquote auch weiterhin bei 5 % liegen wird. Es besteht laut ihm keine Gefahr, dass unsere Schüler*innen und Schulabsolvent*innen arbeitslos werden, sofern sie selbst für eine gute Ausbildung sorgen. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex ist Ende 2022 leicht gestiegen, so dass deutsche Unternehmen für 2023 positiv in die Zukunft blicken. Wollen wir hoffen, dass diese Prognosen auch so eintreffen!

Im Weiteren wurde auf die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung eingegangen und vor allem auf die Verteilungsrechnung: Dass durch die derzeitigen Krisen ärmere Leute schlimmer betroffen sind als reichere und sich daher die Frage stellt, ob das BIP als Wohlstandsindikator dient: So wird Glück, Liebe, Natur und Umwelt, Freizeit, aber auch die gerechte Einkommensverteilung nicht berücksichtigt. Daniel Kahnemann erforschte, dass man ab einem Einkommen von über 60.000 US$ nicht glücklicher sei, aber bis zu diesem Einkommen nimmt das Glück zu. Unsere Schüler*innen sollte daher bei der Berufswahl auf Berufe achten, die diesen Wert im Berufsleben erfüllen können. Auch der weitere Ansatz vom Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen Amartya Sen mit der UN-Weiterentwicklung des Human Develpment Index (HDI) wurde kurz erklärt und im Anschluss eine Weltkarte gezeigt, welche Länder danach am lukrativsten sind: Hier liegt die Schweiz an der Spitze, Deutschland auf Rang 9, während afrikanische Länder weit hinten liegen.

Nach dieser interessanten Vorlesung, die uns allen auch Lebensweisheiten mitgab, bekamen wir noch eine kurze Campusführung und konnten danach in die wohlverdienten Weihnachtsferien starten. Wir bedanken uns dabei ganz herzlich bei der HS Fresenius für diese Weihnachtsvorlesung sowie vor allem bei Prof. Dr. Beivers als Referent und dem Hochschul-Team für die Organisation.

Text und Organisation:
Bettina Heimpel